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Piemont-Weine: Rebsorten, Anbaugebiete & mehr

Alles was Sie über Piemont-wein wissen wollen

Das Piemont als Weinregion

Das Piemont zählt zu den wichtigsten Weinanbaugebieten Italiens und der Welt.

Diesen Ruf hat sich das Piemont in den letzten Jahrzehnten vor allem durch seine eindrucksvollen  Barolo und Barbaresco Weine erworben.  Aber das Piemont steht auch für die meisten einheimischen Rebsorten Italiens, die oft bis zur Römerzeit zurückreichen, und die schon allein durch ihre Einzigartigkeit einen hohen Stellenwert haben. Das Piemont  hat auch eine sehr bedeutende Schaumwein Produktion, die jedes Jahr große Zuwächse zu verzeichnen hat. Nicht von ungefähr stammen  die ersten Schaumweine, die nach der Champagner Methode hergestellt  wurden, aus dem Piemont. Weltweit bekannt ist auch der Moscato D’Asti, der sowohl als perlender und süßlich schmeckender Schaumwein, als auch als aromatischer Dessertwein hergestellt wird. Vervollständigt wird die Weinpalette durch eine Reihe hervorragender Weißweine, wobei die Weine aus dem Gavi und dem Roero Gebiet zu den bekanntesten zählen.

Im Piemont gibt es sieben verschiedene Provinzen, und jede diese Provinzen ist für den Weinbau zugelassen. Daraus sind vier Anbaugebiete entstanden, in denen 18 DOCG und 42 DOC Weine hergestellt werden. Mit dem deutschen Weingesetz verglichen, würde die DOCG Klassifizierung die Prädikatsweine umfassen, während die DOC Klassifizierung die Qualitätsweine beinhalten würden.

Diese sieben Provinzen hat man in vier Weinanbaugebiete zusammen gefasst:

 Die vier Anbaugebiete sind: Le Langhe, Il Monferrato, L’Astigiano und Il Nord.

Was macht die Langhe als Anbaugebiet so besonders?

Das bedeutendste Anbaugebiet Piemonts ist die Langhe. Aus diesem Gebiet kommen unter anderem  die edlen Barolo und Barbaresco Weine. Die Bedeutung der Langhe wird begründet durch seine geografische Lage, dem für den Weinbau geeigneten Klima und dem reichen Unterboden. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenspiel sind natürlich die bodenständigen Winzer, die mit großer Leidenschaft und Kompetenz  die Fürchte der Erde verarbeiten. Die Weine der Langhe sind geprägt von starker Persönlichkeit, großem Charakter und langer Ausbaufähigkeit, aber ihre Besonderheit liegt in der Vielfalt der Weine, die aus den einheimischen Rebsorten gekeltert werden. 

 Die Lage 

 Die Langhe befindet sich im südwestlichen Teil des Piemonts, eingegrenzt von den Seealpen im Norden und den ligurischen Apenninen im Westen. Nur wenige Kilometer von der Stadt Alba entfernt, die weltberühmt für ihren jährlichen Trüffelmarkt ist. 

Der Name stammt von den Kelten und bedeutet “Landzungen” und bezieht sich auf die lang gestreckten Hügel, zwischen denen sich im Laufe der Zeit viele tiefe und schmale Täler gebildet haben. 

Die Langhe wird vom Tanaro Fluß durchquert, der sie in zwei Gebiete teilt. Das Gebiet nördlich des Flusses heißt Roero und das südlich des Flusses gelegene Gebiet heißt Langhe. Aufgrund der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit und mikroklimatischen Bedingungen werden in diesen beiden Gebieten auch unterschiedliche Weine produziert. In der Langhe werden die großen Gewächse wie Barolo und Barbaresco produziert, während in Roero neben Rotweinen vor allem Schaumweine und Weißweine wie der bekannte Roero Arneis, hergestellt werden. 

Das Klima

In den Weinanbaugebieten des Piemonts bestimmt in der Regel ein gemäßigtes Kontinentalklima das Wetter. Dies wird von fest definierten Jahreszeiten mit heißen Sommern und kalten, oft schneereichen Wintern,bestimmt. Dieses Klima ermöglicht den Trauben extrem feine und intensive Aromen aufzubauen. Das Vorhandensein von Hügeln und Tälern kreiert außerdem unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen, die einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Beeren haben können. Besonders wichtig für die Konzentration der Aromen in den Beerenschalen hat sich der meist große Temperatur Unterschied zwischen Tag und Nacht während der Reifezeit erwiesen. Dadurch können alle Komponenten optimal reifen, was dann zu langlebigen Weinen mit großem Körper, feiner Struktur und guter Balance führen kann. 

Die Bergketten, die die Langhe eingrenzen haben sich zudem als sehr nützliche und natürliche Verbündete für die Weinbauern herausgestellt. Die kalten Luftströme aus dem Norden werden zur kalten Jahreszeit durch die Seealpen moderiert und vermischen sich dann mit den wärmeren, von der ligurischen Küste kommenden Strömen. Umgekehrt haben während des Sommers dann die  kühleren Luftströme aus Ligurien einen sehr positiven Einfluss auf die Entwicklung der Reben.

Diese klimatischen und mikroklimatischen Bedingungen in der Langhe sind  ein entscheidender Faktor für die Qualität der produzierten Weine. Die Weine jeden Jahrgangs sind unterschiedlich einzustufen, und jeder Jahrgang hinterlässt seine spezifischen Eigenschaften, die nicht wiederholbar sind.

Die Bodenbeschaffenheit

Die Zusammensetzung des Bodens ist durch den Rückzug des padanischen Meeres entstanden. Dieser Prozeß begann vor 15 Millionen Jahren im Miozän (Jung Tertiär) und dauerte mehrere Epochen. Zurückgeblieben ist ein Nährboden, der sich heute aus wechselnden Schichten zusammensetzt und der besonders geeignet für den Weinbau ist. Diese Schichten bestehen vor allem aus Lehm, kalkhaltigen und bläulichen Mergel, Tuffstein, Quarz, Sand und schwefelhaltigen Gipsboden. Die verschiedenen Zonen in der Langhe sind vom geologischen Standpunkt aus betrachtet nicht so einfach voneinander zu trennen. Es kommt zu Überlappungen und durch die Mischböden kann es vorkommen, dass die Wurzeln der Rebstöcke verschiedene geologischen Schichten durchdringen und Merkmale von allen hervorbringen. Der Wechsel dieser Schichten führt auch dazu, dass die Reben dem Wein sehr viel Feinheit, Struktur und Eleganz geben. Die kalkhaltigen, lehmigen Böden, die in der Langhe überwiegen, schaffen körperreiche Rotweine. hingegen sind die weichen Sandböden des Roeros mehr geeignet für den Anbau weißer Rebsorten und verleihen den Weinen ihre Fruchtigkeit. 

Die Klassifizierung der Piemont Weine

Auf dem Weinetikett muss laut EU Gesetz für den Verbraucher ersichtlich sein, welche Qualitätsstufe und Klassifizierung der Wein hat. Diese Information soll dem Verbraucher als Hilfe dienen um zu verstehen, woher der Wein stammt, welche Qualität er hat, und auch das die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert werden. Da jedes EU Land aber seine eigenen Weingesetze hat, können auch die Bestimmungen sehr unterschiedlich sein, was das Verständnis für den Verbraucher schwierig machen kann.

In den nachfolgenden Paragraphen möchten wir Ihnen deshalb einen Überblick über die Klassifizierung der Weine im Piemont geben. Wir verzichten darauf ins Detail zu gehen, weil das Regelwerk sehr kompliziert und mit vielen Ausnahmen ausgestattet ist. Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen möchten, können Sie uns gerne unter info@babarolo kontaktieren.

Grundsätzlich gibt es im Piemont es nur zwei Klassifizierungen auf dem Weinetikett:

DOC (Denominazione Origine Controllata)

DOCG (Denominazione Origine Controllata Garantita)

Diese Bezeichnungen bedeuten, dass die Weine aufgrund ihres Ursprungs oder ihrer Herkunft klassifiziert werden, und dass diese Angaben kontrolliert und im Falle der DOCG Klassifizierung auch noch garantiert werden. Dies bedeutet aber vor allem auch eine Qualitäts Einstufung. Mit dem deutschen Weingesetz verglichen, würde die DOC Bezeichnung Qualitätsweine umfassen, während die DOCG Bezeichnung sich auf Prädikatsweine beziehen würde.

Barolo und Barbaresco Weine, die großen Gewächse des Piemont, sind alle als DOCG Weine klassifiziert und unterliegen noch strengeren Vorschriften, als die DOC Weine. Aber auch die DOC Weine werden sehr hohen Qualitätsansprüchen gerecht, und die Unterschiede zwischen diesen beiden Bezeichnungen sind in den letzten Jahren geringer geworden.

Alle im Piemont angebauten Rebsorten haben ein definertes Anbaugebiet und alle Anbaugebiete sind wiederum entweder in DOC oder DOCG Gebiete klassizifiert. Es gibt 18 DOCG und 42 DOC Gebiete und keine andere Region in Italien hat so viele Weine in den höchsten Qualitätsstufen.

Prinzipiell können die Winzer im Piemont die Klassifizierung ihrer Weine selbst bestimmen. Immer abhängig davon in welchem Anbaugebiet ihre Weinberge liegen. Sie müssen jedoch die strengen Vorschriften und Bedingungen erfüllen, um die entsprechende Klassifizierung zu erhalten. Dies führt auch dazu, dass manche Winzer ganz bewußt ihre Weine niedriger qualifizieren, um die strengen Vorschriften zu umgehen.Dies ist ein großer Unterschied zu den Praktiken in Deutschland, wo zum Beispiel ein Qualitätswein auch als Qualitätswein klassifiziert und vermarktet wird.

Eine weitere Besonderheit im Piemont stellen die Bezeichnungen Superiore oder Riserva da. Bei Barolo oder Barbaresco Weinen kann man auf dem Etikett die Bezeichnung Riserva und bei Barbera und Dolcetto Weinen die Bezeichnung Superiore finden. Dies bedeutet, dass die entsprechenden Weine eine länger vorgeschriebene Mindestlagerzeit oder auch einen höheren Alkoholgehalt haben müssen, um Riserva oder Superiore auf dem Etikett führen zu können.Also, wenn Sie wieder einmal Ihren Lieblingswein aus dem Piemont einkaufen, achten Sie mal darauf, ob auf der Banderole oben am Flaschenhals DOC oder DOCG steht.

Die Autochthonen Rebsorten

Seit Jahrhunderten werden im Piemont einheimischen Rebsorten kultiviert und bis zum heutigen Tag dreht sich das Leben der Winzer um diesen alten Rebsorten. Sie stellen einen wesentlichen Bestandteil der lokalen Landwirtschaft und Wirtschaft dar und sind ein unverwechselbarer Ausdruck dieses Terroirs. Der Boden, das Klima und die autochthonen Rebsorten im Zusammenspiel, zeichnen verantwortlich für die bedeutende Weinkultur des Piemonts.

Nicht zuletzt deswegen wurde das gesamte Gebiet der Langhe, des Roeros und des Monferratos im Jahr 2014 zum Unesco  Weltkulturerbe ernannt.

Die klassischen Rebsorten Nebbiolo, Barbera, Dolcetto, Moscato und Roero Arneis haben ihre Heimat im südlichen Piemont gefunden. Woanders angebaut, sind die Ergebnisse weniger bedeutend, weil diese Rebsorten genau die Bedingungen brauchen, die in der Langhe und im Roero vorherrschen. Die wechselnden Lehm, Kalk, Mergel und Sandschichten verbunden  mit dem gemäßigten Kontinentalklima sind einzigartig in der Welt und schaffen die Voraussetzung für die Trauben, ihr optimales Potenzial zu erreichen. 

Die Weine aus dem Piemont heben sich  von der globalen Weinwelt ab, weil Sie eine unverwechselbare territoriale Identität besitzen. Die traditionelle Weinbereitung aus nur einer einheimischen Rebsorte verleiht den Weinen eine starke Persönlichkeit und betont die Typizität der Rebsorte. Erst in den letzten Jahrzehnten haben die Winzer begonnen, auch “internationale” Rebsorten zu pflanzen. Cabernet Sauvignon, Merlot oder Pino Noir werden meistens für Cuvees oder Spumante benutzt. Lediglich weiße Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon blanc und auch vereinzelnd Riesling werden Sortenrein produziert.

Klicken Sie hier für das Piemontwein Handbuch als PDF Download.