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Winter im Piemont

Winter Impressionen aus dem Piemont

Als meine Frau und ich entschieden hatten unser Leben in Hamburg aufzugeben und nach Italien ins Piemont überzusiedeln, haben wir uns kaum Gedanken über das Wetter dort gemacht. Ganz klar, wenn man in Hamburg lebt, wird man nicht oft von schönem Wetter verwöhnt. Jedem, dem wir erzählten, dass wir ins Piemont ziehen werden, hat dann ungefähr so reagiert. Ach, nach Italien gehts, bestimmt wegen des schönen Wetters! Aber aufpassen, alles läuft dort nach dem Motto, domani, domani.

Aber dies ist wirklich ein ganz anderes Thema, zurück zum Wetter. Die Wahrnehmung der meisten Menschen, die nördlich der Alpen leben ist ganz einfach, dass Italien das Land der Sonne, des Meeres und des guten Essens ist. Und dies gilt für alle Regionen und Jahreszeiten. Für das Essen mag dies zutreffen, aber mit dem Wetter ist die Antwort viel komplexer.

Wir haben dies ziemlich schnell herausgefunden, als wir zum erstenmal im Januar auf Haussuche im Piemont waren. Eisige Kälte mit sehr viel Schnee und danach tagelanger Nebel, der so dicht war, dass man kaum die Strasse beim Autofahren sehen konnte, geschweige die schöne Aussicht von der Makler ständig sprach. Halleluja, dachten wir nach einer dieser Reisen, da wollen wir wirklich hinziehen? Aber nach vielen Jahren, die wir danach im piemontesischen Winter verbracht haben, haben wir gelernt, wie schön und prägend der Winter für das Leben und die Natur sein kann.

Zum Beispiel gibt es sehr wahrscheinlich keinen guten Weinjahrgang, wenn der Winter mild und ohne Schnee ist. Die Weinberge brauchen Schnee, der lange liegen bleibt und langsam in das Erdreich eindringt. Die Reben speichern das Wasser und davon profitieren sie dann in den heißen Sommernmonaten ohne nenneswerte Niederschläge.

Die Winzer sind in dieser Situation total der Natur ausgeliefert, denn es ist laut Weingesetz im Piemont verboten, die Weinberge zu wässern. Die meisten Rebsorten können die Trockenheit des Sommers nur überleben, wenn sie von den gespeicherten Wasservorräten des Winters in den trockenen Perioden zehren können.

Wenn wir uns jetzt wieder im Winter ins Piemont aufmachen und unsere Nachbarn bei unserer Abfahrt anmerken, dass sie auch gerne dem Winter ins warme Italien entfliehen möchten, lächeln wir nur und nicken verständnisvoll.      

        

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