Wie wichtig ist die Barbera Rebsorte für das Piemont?

Wie wichtig ist die Barbera Rebsorte für das Piemont? | Babarolo

Obwohl es begründete Annahmen gibt, dass der Barbera seit dem Mittelalter im Piemont angebaut wird, geht seine erste geschichtliche Erwähnung auf das Jahr 1512 zurück, dem Jahr, in dem eine Grundbuchurkunde der Gemeinde Chieri seine Anwesenheit festhält. Die Rebsorte verbreitete sich bald in den Gebieten Monferrato, Astesano und Alessandria und wurde dank ihrer Aufnahme in die erste Version der "Ampelografia", die 1798 von Graf Nuvolone verfasst wurde, zu einer der piemontesischen Rebsorten. Der Barbera Wein wurde schon zu dieser Zeit der bevorzugte Alltagswein der Bauernfamilien im Piemont, und die Weine waren meist sehr säurebetont und rustikal. Ihre weite Verbreitung erreichte der Barbera jedoch erst nach der Reblaus Plage des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als die Rebsorte ihre Tauglichkeit für hohe Erträge auf Unterlagsreben unter Beweis stellte. Es waren die Jahre, in denen sie die großen Nachbarstädte und später, dank der neu eingerichteten Eisenbahnverbindung zum Hafen von Genua, auch internationalen Märkte eroberte.

Jedoch litt das Image dieser wüchsigen Rebsorte darunter, dass die Weine in großen Massen produziert wurden und Qualität eine untergeordnete Rolle spielte. Der “Knock out Punch” für den Barbera kam dann mit dem italienischen Methanolskandal in den 1980 Jahren, in den neben piemontesischen Genossenschaften auch unabhängige Winzer involviert waren. Gleichzeitig entstand jedoch im Asti und Alba Gebiet von einer Gruppe unabhängiger Winzern eine Art Gegenbewegung, deren Ziel es war, einen neuen Barbera Wein zu produzieren.

Dank fokussierter Bewirtschaftung der Weinberge, systematischen Säure Abbaus und Ausbaus des Weins in Eichenholzfässern, gelang es deutlich kräftigere, fülligere und aromatisch komplexere Barbera herzustellen.

Besonders hervorzuheben gilt es den Winzer Giacomo Bologna, aus dem kleinen Ort Roccetta Tanaro, der als Pionier und Erfinder des neuen Barbera gilt. Bologna schaffte es durch gezielte Maßnahmen im Weinberg und im Weinkeller den als billigen Massenwein abgestempelten Barbera in einen komplexen, ausgewogenen und edlen Wein zu verwandeln. Inspiriert von seinen Frankreich Besuchen begann er seinen Barbera in Barrique auszubauen und die Verbesserung des Weins gab ihm recht. Denn der eigentlich so tanninarme Barbera profitierte sehr von dem durch den Holzeinsatz zugeführtem Tannin und zusätzlich wurde in diesem Prozess die harsche Barbera Säure besser eingebunden und abgerundet.

Die Standards, die Bologna mit seinem hochwertigen Barbera setzte, machten sich dann auch andere Winzer zu eigen und bewiesen, dass der Barbera mehr als ein billiger Industriewein oder einfacher Landwein sein kann. Die höheren Qualitätsansprüche an Wein im Allgemeinen in den 1990er Jahren, veranlassten auch die Barbera Erzeuger den Aufwertungsprozess Ihres Weines weiterzuentwickeln.

Durch verbesserte Technik im Weinberg und Weinkeller, nachhaltigem Weinbau, Ertragsminderung, um nur einige Maßnahmen zu nennen, schafften sie es die Qualität stetig zu verbessern. Der Barbera im Piemont hat in den letzten Jahrzehnten eine erstaunliche Entwicklung genommen. Viele der aus den Barbera Trauben gekelterten Weine stellen eine echte Alternative zu den hochdekorierten Nebbiolo-Weinen dar und können ein ausgezeichnetetes Preis-Qualität-Verhältnis aufweisen.

Dank der konstanten Bemühungen der Winzer gehört der Barbera heute zu den bedeutendsten Rotweinen auf nationaler und internationaler Ebene. Mehr als ein Drittel der gesamten piemontesischen Rebfäche ist mit Barbera belegt und nach der Sangiovese Rebsorte ist Barbera die meist angebaute Rebsorte Italiens. Darüber hinaus wird der Barbera auch in der Lombardei, in der Emilia Romagna als auch in Kalifornien, in Spanien und Südamerika kultiviert.


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